Heimweh

Dass Kinder sich einmal für längere oder kürzere Zeit von ihren Eltern trennen müssen ist ein unabdingbarer Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung. Aufgrund der Bedingungen ist das Zeltlager Schauplatz unterschiedlichster Entwicklungsprozesse. Dabei versuchen wir, hierfür einen möglichst günstigen Rahmen zu schaffen. Ein wichtiger Punkt ist dabei die "Behandlung" von Heimweh.

Dass ein Kind Heimweh bekommt, kann viele Ursachen haben.
Mögliche Ursachen können sein:

  • Das Kind ist das erste Mal für längere Zeit von den Eltern getrennt und hat Mühe, mit dieser Situation zurechtzukommen.
  • Die Umgebung im Zeltlager macht das Kind unsicher.
  • Das Kind ist nicht so, wie es das wünscht, in die Gruppe integriert.
  • Das Kind ist nicht in die Gruppe integriert, da sich alle anderen schon kennen
  • Das Kind ist nicht in die Gruppe integriert, da andere aufgrund irgendeines Merkmals über es lästern.
  • ... Diese Aufstellung kann nicht vollständig sein, da Heimweh eine höchst individuelle Angelegenheit ist.

 

Wir Leiter wissen um die große Bedeutung des "zum ersten Mal weg Seins" für Kinder in ihrer Entwicklung. Daher versuchen wir unterstützend zu reagieren Da es für Ihr Kind eine wertvolle Erfahrung sein kann, mit dem Problem alleine zurecht zu kommen, versuchen wir stets zuerst gemeinam mit dem Kind eine Lösung zu finden. In den letzten Jahren gelang das auch in den allermeisten Fällen. Bei "schwererem Heimweh" beziehen wir die Eltern in die Problemlösung mit ein. Ziel ist natürlich, das Heimweh so zu überwinden, dass das Kind das ganze Zeltlager Spaß erleben kann.

So schaffen wir und sie schon vorab Bedingungen, die Heimweh verringern:

  • Bestärken Sie Ihr Kind! Vermitteln Sie ihm im Vorfeld nicht Ihre Bedenken, sondern erzählen Sie von Ihren eigenen positiven Erfahrungen. Zeigen Sie auf, welche schönen Erlebnisse auf Ihr Kind in Ihrer Abwesenheit warten: Neue Freunde, Abenteuer,...
  • Wir bitten Sie, für ihr Kind keine "Fluchtwege" vorzubereiten. Vereinbaren sie keinesfalls, dass sie ihr Kind bei Heimweh abholen. Dies könnte ihr Kind so missverstehen, dass sie ihm nicht zutrauen, dass es "durchhält".
  • Sichern Sie Ihrem Kind zu, für es per Brief oder Karte stets erreichbar zu sein.
  • Üben Sie mit Ihrem Kind die Trennung langsam, durch Übernachtungen bei den Großeltern,...
  • Schicken Sie Ihr Kind nicht gegen seinen Willen ins Zeltlager. Klären Sie vorab Ängste, die es hat.
  • Wir schaffen eine gewisse Sicherheit und Erwartbarkeit, indem wir den Kindern zeigen, was auf sie zukommt: Beim Kennenlernnachmittag kann es schon die anderen Kinder kennenlernen. Über Fotos, Filme oder Erzählungen kann es sich ein Bild davon machen, was es erwartet.
  • Wir "rationieren" die Erreichbarkeit der Eltern dadurch, dass Handys im Zeltlager nicht erlaubt sind. Stattdessen regen wir zum Karten- und Briefeschreiben an.

Wie reagieren die Betreuer auf Heimweh:

  • Wir bemühen uns, alle Kinder in die Gruppe zu integrieren. Dabei kümmert sich die entsprechende Zeltleiterin oder Zeltleiter nicht alleine intensiv um das Kind, sondern alle Betreuer wirken dabei mit.
  • Wir können durch die verhältnismäßig große Betreueranzahl und die kleinen Gruppen viel mit jedem Kind reden. Wir hören zu und besprechen Sorgen des Kindes, arbeiten an den Problemen so lange, bis sie gelöst sind.
  • Wir stellen die Stärken des Kindes gegenüber der Gruppe und dem Kind selbst heraus, um eine Sicherheit innerhalb der Gruppe zu ermöglichen. Hierzu bietet gerade das Zeltlager viele Möglichkeiten, da alle Tätigkeitsbereiche eine Rolle spielen (Sport, Musik, spezielles Wissen, Persönlichkeitsmerkmale,....)
  • Wir geben den Kindern die Aufmerksamkeit, die sie benötigen und heben die schönen Seiten des Zeltlagers heraus. 
  • ... auch diese Aufstellung kann natürlich nicht abschließend sein, aber alle erfolgverspechenden Maßnahmen werden wir versuchen.

 

So funktioniert die Zusammenarbeit mit Ihnen, den Eltern:

  • Vereinbaren Sie auf keinen Fall mit Ihrem Kind vorab, dass Sie es bei Heimweh abholen.
  • Sie sollten auf KEINEN FALL vorbeikommen, um mit Ihrem Kind zu sprechen. Das würde Heimweh stets verschlimmern, da 
    1. eine neue Trennung von den Eltern stattfinden würde,
    2. eine einfache "Fluchtmöglichkeit" besteht (die Eltern sind schon da, können es mitnehmen) und
    3. das Kind damit auch in späteren Fällen auf Heimweh wesentlich schwerer reagiert,
    4. das Verhalten Heimweh in den Augen des Kindes durch den Besuch der Eltern belohnt und somit verstärkt wird und
    5. andere Heimwehkinder in ihrem Heimweh bestärkt und somit in ihrer Entwicklung zu Eigenständigkeit geschwächt werden.
  • Bei Heimwehfällen werden wir Sie telefonisch informieren, wenn Ihr Kind das wünscht.
  • Die Vertrauensperson Ihres Kindes wird Sie vorab über die Situation Ihres Kindes im Zeltlager informieren. Mit ihr besprechen sie das weitere Vorgehen.
  • Sollte sich das Heimweh gar nicht bessern lassen, bleibt als letzter Ausweg nur, dass Sie Ihr Kind abholen.